Autogenes Training - die Gesichtsentspannung
Das Gesicht ist Aufnahmeort für optische Informationen, akustische Reize und die gefühlsintensiven Geruchsreize.
Im Gesichtsausdruck präsentieren wir uns der Umwelt.
Ein Großteil der Gesichtsmuskulatur ist mimische Muskulatur, dient der Kommunikation. Dabei stellen wir meist nur ausgewählte und einstudierte, mehr oder weniger stereotype Regungen dar.
Jeder Mensch hat seine ihm typischen Gesichter. Diese werden in früher Kindheit eingeübt entsprechend den bestrafenden oder belohnenden Reaktionen der Umwelt, also der nahen Mitmenschen. Daher präsentieren manche Menschen ein besonders liebes, lächelndes Gesicht, um z.B. zu demonstrieren, dass sie niemandem etwas tun werden, und man ihnen bittschön auch nichts tun soll. Andere sehen immer entschuldigend aus. Manche schauen jederzeit ernst drein, beweisend, dass sie nichts auf die leichte Schulter nehmen, jederzeit bei der Sache sind. Wieder andere gucken immer sehr böse und aggressiv, wirken so unnahbar, verschlossen, abweisend. Dahinter mag sich eine sehr verletzliche Seele verstecken, die der Bedrohung durch andere Menschen mittels Demonstration von Stärke begegnet. Derselbe Zug findet sich häufig in dem Aufbau einer Schutzburg durch Bodybuilding.
Die Mimik unterliegt also auch stark der sozialen Kontrolle, der Bewertung und Bestrafung, spiegelt wieder, welche Zustände, Regungen, Lebensweisen erlaubt waren und welche nicht.
Im Bereich Lippen, Zunge, Unterkiefer nehmen wir die Umwelt in uns hinein, bringen sie mit unseren empfindlichsten Sensoren in Berührung ("das will mir nicht recht schmecken"), gleichzeitig teilen wir uns auch durch Sprache mit. Zurückhaltungen unseres Seelenlebens können hier, an der Ausgangspforte, ihren letzten Niederschlag z.B. in gepressten Lippen oder zusammengebissenen Zähnen finden.
Die Kiefer sind durch das Zermahlen der Nahrung auch ein wichtiger Kanal für Aggressionen und für aktive Willenskraft. Nicht abgebaute Aggressionen können so zu Zähneknirschen führen oder zum ständigen Muskelspiel der Kaumuskulatur.
Insgesamt ist das Gesicht eine wichtiger Übergang zwischen Innen und Außen, Individuum und Gemeinschaft. Alle Reibungen, alle Probleme und Beschränkungen in der Umsetzung persönlicher Regungen und Bedürfnisse, die hier auftreten, hinterlassen ihre Spuren in der Mimik, der Architektur des Gesichts. Oft verbergen wir unser "wahres Gesicht" aus lauter Gewohnheit und Kontrolle sogar vor uns selbst, vergessen es. So kann eine tiefgehende Entspannung des Gesichts eine sehr ungewohnte, ja fremdartige Erfahrung sein. Sie macht das Gesicht transparenter nach außen wie nach innen, dessen sollte man sich bewusst sein wenn man mit dieser Offenheit unter Menschen geht. Die physiologisch entspannteste Gesichtshaltung ist ein leichtes Lächeln. Wie auch anderswo ist unter Entspannung aber vor allem auch Flexibilisierung zu verstehen, denn der "Spiegel der Seele" wird nicht nur durch die Gefühle in Bewegung gesetzt, sondern wirkt auch zurück auf das Seelenleben. Ein erstarrtes Gesicht kann so ein empfindungsfähiges Innenleben in die Starre bringen, und umgekehrt.
lachen fliegt an
und trifft dich
von innen oder außen
du nimmst die lang vermißte
fast ersehnte gelegenheit wahr
und willst ihm raum geben
in den muskeln deines gesichts
und als es beginnt sich auszubreiten
trifft es da
auf die starre der wut
vergangener tage
du spürst es und es gelingt
die starre aufzugeben
für den augenblick
das lachen geht weiter
und läuft in das zittern
im kiefer
alter, ungeweinter tränen
und du weißt,
warum das lachen
dir so selten begegnet
Harald Eisenberg
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