" Es gibt einen Unterschied zwischen einem erfüllten und einem vollgefüllten Leben. " 

  

Autogenes Training - Einige Stichpunkte 

  

Entspannung ist ein besonderer "Raum" in unserem Leben, mit anderen Gesetzmäßigkeiten und Eigenschaften als der Alltag. Wir können die Entspannung suchen, schützen und nähren wenn wir uns selbst, die Prinzipien von Stress und Entspannung besser kennen lernen.  

  

Körperwahrnehmung

Entspannung ist ein körperlicher Vorgang. Die Psyche ihrerseits ist vom Körper abhängig, spiegelt die Zustände und Vorgänge im Körper wieder. Deswegen wenden wir uns beim AT zunächst weniger der Psyche, sondern klar dem Körper zu. Der Körper ist gegenwärtig, er ist "hier und jetzt", real, nicht nur gedacht. Indem wir in die Wahrnehmung des Körper eintauchen, kommen wir in der Gegenwart, der Realität an, so dass wir uns wieder ordnen können. Dies ist der Ort, wo wir etwas bewegen können, wo wir etwas verändern können. Am Anfang wird oft spürbar, dass der Organismus Bereiche hat, die aus dem Gleichgewicht sind: Unruhe wird spürbar, oder Aufregung, oder einfach die Anspannung, Schmerzen in den Schultern, manchmal zeigt sich zunächst sehr viel Unwohlsein, manchmal ist es aber auch ganz schwer, überhaupt etwas zu fühlen. Der Körpersinn ist wenig geübt, das "Körperhaus" innerlich wenig gepflegt, daher sind solche Erfahrungen geradezu typisch. Hier ist aber nur der Anfang. Schon in der ersten oder zweiten Übung wird häufig eine Beruhigung erlebt, ein beginnender Ausgleich, oder eine Ermüdung, welche die momentane Erschöpfung des Körpers anzeigt.  

  

Gedanken

Im normalen Alltag und erst recht, wenn wir zur Ruhe kommen, geht ein großer Teil unserer geistigen Kraft in gedankliche Tätigkeit. Meist sind es Sorgen, Probleme, Unerledigtes oder Planungen, die uns beschäftigen und "die ganze Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen". Häufig sind die Gedanken verbunden mit mehr oder weniger klaren Phantasien und Gefühlen, so daß wir häufig vollkommen "absorbiert" sind von den inneren Prozessen. Dabei kommt in der Regel nicht viel heraus bei all dem Grübeln, und Erleichterung bringt es in der Regel auch nicht. Mit Entspannung sind diese Gedanken unvereinbar, denn jeder Gedanke setzt im Körper auch eine Anspannung in Gang, und außerdem "verbrauchen" die Gedanken die ganze Aufmerksamkeit, so daß die reale Wahrnehmung des Augenblicks auf der Strecke bleibt. Um in Entspannung zu gehen, ist es also nötig, auf irgendeine Weise alle Gedanken zu parken, beiseite zu schieben, sie zu verlassen zugunsten der Wahrnehmung. Sich von den Gedanken eine kleine Weile "Urlaub" zu nehmen um entspannen zu können will geübt sein. Die meisten Menschen fühlen sich den Gedanken ausgeliefert, haben keine bewusste Kontrolle darüber. Tatsächlich sind Gedanken nur ein Werkzeug, aber wenn es viele Konflikte in unserem Leben gibt, setzt eine Art zwanghafter - und meist nutzloser - Bewältigungsversuch durch Begrübeln ein. Der direkteste Weg, die Gedanken hinter sich zu lassen, besteht darin, sich seiner Aufmerksamkeit bewußt zu werden und diese geistige Kraft vom Denken weg in die Körperwahrnehmung hinein zu lenken, und zwar immer wieder, bis die zwanghafte Gewohnheit des Denkens nachlässt bzw. die Gedanken in den Hintergrund treten. Dabei kann die Wahrnehmung des Atems hilfreich sein, weil sie der Aufmerksamkeit mit ihrer ständigen Bewegung ein guter Anker ist. Autogenes Training ist kein "Problemlösungsort" für unsere kleinen und großen Lebensprobleme. Damit ist die Grundstufenentspannung bei weitem überfordert. Deshalb ist es wichtig, gegenüber den Gedanken eine klare innere Linie zu ziehen und in der Entspannung bewußt und gewollt ganz gegenwärtig zu sein.

 

Nachdenken

... über sich und sein Leben ist vollkommen in Ordnung und sehr wichtig - schließlich wollen wir nicht nur funktionierende Rädchen irgendeiner großen Maschinerie sein (oder?), sondern sind auch lebendige, atmende, bedürfnisvolle Wesen. Das bewußtwerden und nachdenken über das Leben, das man führt, ist daher sehr wichtig, damit wir unser Leben aktiv gestalten und nicht nur vom Leben gelebt werden. Jedoch sollten wir dieses Nachdenken sehr bewußt und wach betreiben, an einem anderen Ort und zu einer anderen Zeit als beim AT. Das nachdenken ist häufig viel produktiver, wenn wir die Gedanken aussprechen, sei es im Selbstgespräch, oder mit einem Freund, Vertrauten oder Berater, oder wenn wir es aufschreiben. Das verhindert, daß wir nur gedanklich "dahindümpeln" oder im Kreise drehen.  

  

Geräusche

Im "normalen" Leben ist viel unserer Aufmerksamkeit fast den ganzen Tag auf die Umwelt gerichtet. Es geht meist nicht um uns, sondern um die Dinge, die wir erledigen sollen, Anforderungen, die unser Leben oder andere an uns stellen. Dadurch sind wir sehr "außenorientiert". Was das Sehen angeht, so können wir die Augen schließen und damit viel Aufmerksamkeit auf uns selbst lenken, die Ohren jedoch bleiben in der ganzen Entspannung offen. Wenn wir im Alltag ein "offenes Ohr" haben (müssen) für die Umwelt, dann wird auch daraus eine Gewohnheit, die wir in der Entspannung nur schwer ablegen können. Gerade in der inneren Stille der Entspannung kann auch bewußt werden, von wievielen Geräuschen man dauernd umgeben ist. Wenn wir auch das Hören nicht abstellen können, so können wir uns doch am Beginn der Entspannung entscheiden, uns von allen äußeren Faktoren, Geräusche eingeschlossen, abzuwenden, um Zeit für uns selbst zu haben. Dabei hilft es manchmal, sich die Geräusche, die da sind, eine Weile ganz bewußt zu machen, und sich klarzumachen, daß all diese Geräusche für uns in den wenigen Minuten des Entspannens vollkommen bedeutungslos sind. Dann können wir die geistige Kehrtwende machen, die Geräusche einfach so sein zu lassen, wie sie sind (wichtig!), und uns stattdessen um uns selbst zu kümmern. Es kann anfangs nötig sein, diese Entscheidung und Kehrtwende während der Entspannung immer und immer wieder zu vollziehen, bis es uns ganz leichtfällt, "bei der Sache" zu bleiben - nämlich innen in uns selbst drin.

  

Ruhe im Alltag

"Seitdem ich den Dingen nicht mehr den ganzen Tag hinterherrenne, schaffe ich mehr als früher und habe trotzdem mehr Zeit" So eine 59-jährige Lehrerin zu ihren Erfahrungen, mit mehr Ruhe an die Dinge zu gehen.

Leistungsfähigkeit besteht nicht nur in hektischem Tun, sondern vielmehr in einer guten Selbstorganisation, die in Hektik verlorengeht, in einem Polster an Kraft und Ruhe, das durch Erholung entsteht, durch Überblick über die Lage, für die man einen klaren Kopf braucht, durch Pausen, in denen man sich neu orientieren kann.  

  

Das Üben

Im Kurs werden die einzelnen Schritte in die Entspannung vorgestellt und am eigenen Körper erlebt. Das allein macht die Entspannung noch nicht zum Bestandteil unseres Alltagslebens. Ähnlich dem Fahrradfahren oder dem Spielen eines Musikinstruments will die neue Erfahrung täglich wiederholt, gefestigt und vertieft werden. Eine feste Uhrzeit erleichtert die Bildung von Routine, sorgt auch dafür, dass das Üben nicht "vergessen" wird. Eine ruhige, störungsfreie Umgebung ist anfangs sehr wichtig, damit der Organismus sich auf die Entspannung auch "einlassen" kann. Wenn es möglich ist, einen besonderen Ort der Entspannung zu gestalten, ist das sehr hilfreich: so wie die Küche mit Kochen assoziiert ist und der Fernsehsessel mit dem Griff zur Fernbedienung, so trägt nach einiger Zeit dieser Ort die Entspannung sozusagen schon in sich. Da zu Hause oder auf der Arbeit der Alltag natürlich besonders nahe ist, wird die Entspannung im Kursus normalerweise immer leichter fallen: es gibt nichts, was man im Kurs sonst tun könnte, und alle machen dasselbe. Das macht die Entspannung zu Hause nicht überflüssig, nur ein wenig schwieriger, zumindest in der Anfangszeit.  

 

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