Yoga
ist eine Erfahrung, eine Erlebnisweise, eine über Jahrtausende gewachsene Kultur auf spirituelle Art in der Welt zu sein und sie zu erleben. Yoga ist subjektiv, und so gibt es viele Traditionen, die widersprüchlich scheinen, und die dennoch einander dulden, sogar respektieren.
Von dieser Kultur habe ich nur einen kleinen Teil in mir aufgenommen, den ich wiederum auf der Basis meines Lebens erfahren habe. So ist auch mein Yoga subjektiv, in guter Tradition, das selbst erlebte weiterzugeben, das in mir verkörperte auszustrahlen. Ich möchte versuchen, etwas davon in Textform zu fassen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Treue zum traditionellen Yoga, was auch immer der eine oder andere darunter verstehen mag. Natürlich "bin" ich nicht zu jeder Zeit alles das, was ich zu beschreiben suche, aber alles beruht auf selbst erlebtem, das ich als Teil meines "besseren Selbst" betrachte.
Es ist, als hätte ich Yoga schon in mir getragen, als hätte ich schon ein Bild, ein Wissen gehabt. Meine ersten Yogaerfahrungen haben mich daher sehr enttäuscht, es war nicht viel mehr als langsame Gymnastik mit bewusster Atmung, und ich hatte das klare Gefühl, "das ist kein Yoga". Dann begegnete mir Haike Krohnen, und dem Raja-Yoga mit Sri Rajagopalan, bei dem ich über viele Jahre Seminare besucht habe. Hier hatte ich sofort das Gefühl, gefunden zu haben, wovon ich wusste, dass es existieren musste, kurz, ich fühlte mich zu Hause.
Meine persönliche Übersetzung von Yoga ist: "Das Wesentliche". Naturgemäß ist dieses schwer zu fassen. Es ist eine Erfahrung. Wer in dieser Erfahrung ankommt, "weiß". Ein innerer Ort des Ankommens. Des berührt - seins. Des darin - seins. Des verbunden - seins. Des in Ruhe - seins. Ein Zustand, der seine Bedeutung in sich trägt, eine Bedeutung, die kaum benannt werden kann, außer für den, der sie schon kennt.
So ist Yoga auch "das schwer zu benennende, von dem der, der es berührt, weiß, dass es das ist". Ich werde versuchen, der Erfahrung beschreibend mich ein wenig zu anzunähren, ihr Umfeld zu zeigen, einige Aspekte zu beleuchten.
Yoga, das geschieht nicht darin, dass ich Vorwärts- und Rückwärtsbeugen in ausgewogenem Maße mache, oder durch kunstvolle Knoten meiner Gliedmaßen. Das kann nur ein vielleicht hilfreicher äußerer Rahmen sein. Asanas (die Körperhaltungen) können auch von Entfesslungskünstlern vollzogen werden, Zirkusartisten, oder in der Krankengymnastik. Einen Kopfstand hat man auch schon im Zirkus Elefanten machen sehen. Wer schnell beweglich und kräftig werden will, ist wahrscheinlich beim Aerobic oder bei Pilates besser aufgehoben. Yoga ist nicht das, was man von außen sehen kann, oder das, was man "machen" kann. Ich komme dem Yoga näher in dem, "wie" ich etwas mache. Die Bewusstheit, die innere Gelöstheit, abseits von Willensbemühung, frei von "soll" und "sollte" und "muss" und "müsste", mit anderen Worten: frei von jeder Gewalt, innerer (gedanklicher) wie äußerer (Schmerz), frei von Anspruch, frei vom Ziel, "frei - willig". Das ist ein Ein - Klang. Es ist eins und es kommt etwas in uns zum Klingen. Es ist zugleich: Ich tue es. Und: Es geschieht. Daoisten sprechen vom Wu-Wei: dem selbstvergessenen, aber ganz gefühlten, ganz gelebten, bewusst erfahrenen Entfalten der inneren Natur der Dinge in Form von mir selbst.
Das mag schon fortgeschrittene Praxis oder Zielrichtung sein. In der typischen Yoga-Praxis geht es um die "Vorarbeiten" in diese Richtung: die kulturelle Prägung zu verlernen, den Körper als Werkzeug zu sehen, für das Selbstgefühl und das Bewusstsein den Weg aus dem Kopf in den Körper zu finden. Die Vergleiche mit anderen aufzugeben. Die Steuerung durch den Willen durch Einfühlung mit sich selbst zu ersetzen, also die Benutzung des Körpers allmählich abzulösen durch die innere Beziehung zum Körper-Sein. Vom Denken zum Erleben zu kommen, vom "soll sein" zum "Sein". Das braucht Geduld. Die regelmäßige Kurspraxis lässt mehr und mehr fühlen, worum es geht, aber häufig braucht es ein bis zwei Jahre um zu begreifen, worum es bei dieser Reise geht. In dieser Zeit wird sich körperlich und psychisch schon vieles zum besseren gewendet haben, fast nebenher. So wird jeder für sich selbst eigene Ideen haben, was die Yoga-Erfahrung wertvoll macht.
Rasa: Wohin die Hand geht, dorthin geht das Auge
Wo das Auge ist, da ist der innere Sinn.
Wo der innere Sinn ist, da ist das Gefühl.
Wo das Gefühl aufblüht, da ist Rasa, die Ergriffenheit.
Abhinayadarpana von Nandikeshvara, Vers 37
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